Geschichte

Natürlich ist meine Salzwiesenbahn ein reines Phantasieprodukt, das es in dieser Form nie gegeben hat. Aber ich dachte mir es wäre ganz nett, wenn man eine Hintergrundgeschichte zu dieser Bahn erfinden würde - nur so zum Spaß. Wer sich mit dieser Art von Fiktion nicht anfreunden kann sollte hier nicht weiterlesen. Alle Anderen können hier mit mir in die Welt der Küstenbahnen eintauchen.

Typische Salzwiesen an der deutschen Nordseeküste. Im Vordergrund ist das Gleis der Salzwiesenbahn zu erkennen.
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Die Salzwiesenbahn wurde in einem großen Bauvorhaben in nur drei Jahren von 1886 bis 1889 gebaut. In erster Linie diente sie dem Küstenschutz und beförderte Baumaterial für die Verbesserung / Neubau der Deiche. Aufgrund der zu erwartenden engen Radien und der Vereinfachung des Projekts entschied man sich für eine Schmalspurbahn in Meterspur. Da die Gleise über weite Strecken durch Überflutungsgebiete wie Marschen oder Salzwiesen führten, wurden sie auf Pfählen aufgeständert oder auf aufgeschütteten, niedrigen Dämmen verlegt. Die Bauweise war zuerst nicht auf Dauer ausgelegt, was später leider zu einigen Problemen z.B. am Unterbau führte, die teilweise bis heute anhalten.

Historisches Foto der Salzwiesenbahn kurz nach Fertigstellung der Strecke im Jahr 1889.
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An vielen Stellen verläuft die Salzwiesenbahn direkt an der Nordsee entlang.

Heutige Zuggarnitur mit Diesellok.
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Um die Bahn rentabler zu machen wurde auch Fracht und Personen befördert. Mit der Zeit wurde die Bahn bei Kurgästen und Einheimischen so beliebt, daß das Personenaufkommen die Materialbeförderung bei weitem übertraf. In den 30er Jahren sollte die Bahn deshalb sogar erweitert werden. Der Krieg machte die Pläne jedoch zunichte. In den Kriegsjahren hatte die Bahn eine gewisse strategische Bedeutung und schaffte Baumaterial für den “Atlantikwall” heran. Oft wurde sie Ziel heftiger Bombenangriffe, konnte jedoch aufgrund der einfachen Bauweise immer wieder schnell repariert werden. Nach dem Krieg nahm die Bahn den Betrieb wieder auf, konnte aber nicht mehr rentabel wirtschaften. Deshalb wurde der Bahnverkehr 1963 eingestellt.

Kleinbahnidylle im Norden...

Nachdem die Gleise für einige Jahre dem Verfall preisgegeben worden waren sollte der Gleiskörper Ende der 70er komplett abgetragen werden. Eine Büsumer Bürgerinitiative konnte jedoch den Abriss verhindern und erreichte, daß die Bahn unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die “Interessengemeinschaft Büsumer Eisenbahnfreunde e.V.” suchte nach einer Möglichkeit einen regelmäßigen Schienenverkehr wieder aufzunehmen. Im Jahr 1983 wurde mit Hilfe einiger finanzkräftiger Investoren aus Deutschland und Dänemark deshalb die Salzwiesenbahn GmbH gegründet. Die Gesellschaft sollte die bisher von Mitgliedern des Vereins in Eigenregie notdürftig geflickte Strecke gründlich sanieren und erhalten. Ausserdem sollten Nostalgie- und Touristenfahrten, sowie Charterbetrieb auf der Bahn möglich werden. Die Bahn erfreut sich bei Touristen so großer Beliebtheit, daß die GmbH schon bald schwarze Zahlen schrieb. Hauptbetrieb ist natürlich in den Sommermonaten, in denen die Bahn täglich unterwegs ist. Aber auch im Winter ist die Nachfrage groß genug, um einen planmäßigen Schienenverkehr aufrecht zu erhalten.

Immer am Deich entlang.

Natürlich ist es einer Bahn, die profitabel wirtschaften möchte, nicht immer möglich ein historisch korrektes Bild abzugeben. So besitzt die Salzwiesenbahn GmbH ein buntes Sammelsurium an Lokomotiven und Wagen, die nicht unbedingt zueinander passen. Dazu kommen noch die diversen privaten Fahrzeuge der IG Büsumer Eisenbahnfreunde e.V. die mit ihren teilweise recht skurrilen Draisinen, Motorloren, etc. ebenfalls auf dem Gleis der Salzwiesenbahn unterwegs sind. Ein großer Glücksfall für die Bahngesellschaft war der Fund der im Krieg an der Ostfront verschollenen Dampflok 99 022, die ehemals auf dem Gleisnetz der Wangerooger Inselbahn unterwegs war. 1991 entdeckten Vereinsmitglieder sie in einem alten Lokschuppen in Russland. Die Krauss Lok aus dem Jahre 1910 zeigte sich in einem erfreulich guten Zustand. Der Salzwiesenbahn GmbH gelang es sie zu erwerben. Sie wurde gründlich aufgearbeitet, etwas umgebaut und ist nun als Dampflok “Nummer Zwei” DIE Attraktion der Bahn an Nostalgietagen. Vor einigen Jahren konnte die Salzwiesenbahn von der schweizerischen RhB (Rhätische Bahn) einen ausgemusterten Schienentraktor Tm 2/2 erwerben. Auch dieser wurde etwas umgebaut und tut nun als Kö 2/2 (Lok 16) ihren Dienst. Das in Deutschland wohl einmalige Fahrzeug wird zu Wartungsarbeiten, Rangierdienst, aber auch im planmäßigen Zugverkehr eingesetzt. Ausserdem kann man die Lok chartern. Spazierfahrten auf der offnen Ladefläche sind im Sommer sehr beliebt. Ein weiteres, auf der Welt wohl einmaliges Fahrzeug, ist die Mercedes 230 G Draisine, die von den Mitgliedern der IG mit viel Liebe und Gehirnschmalz aus einem ehemaligen Feuerwehrfahrzeug aufgebaut und später der GmbH geschenkt wurde. Als Streckenkontrollfahrzeug, mit dem man zudem kleinere Reparaturen durchführen kann, erregt diese Draisine große Aufmerksamkeit wo sie nur auftaucht. Kurz erwähnen sollte man auch die einzig erhaltene Diema DS 66, die im angemieteten Hallenraum des ALR in Dagebüll für Arbeitszüge oder Rangierdienste zur Verfügung steht.

Typischer, auf Pfählen aufgeständerter Gleiskörper in der Nähe eines stillgelegten Materialbauhofs zur Deichwartung.
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Streckenverlauf der Salzwiesenbahn.

Schauen wir uns den Streckenverlauf der Kleinbahn an. Bemerkenswert ist, daß die Strecke sowohl in Deutschland als auch in Dänemark verläuft und so schon früher einen "kleinen Grenzverkehr" ermöglichte. Startpunkt der Strecke ist der Bahnhof von Büsum, wo Normalspur und Meterspur zusamentreffen. Es gab eine Verbindung zum Hafen, die allerdings in den 70ern abgebaut wurde. Von hier verläuft die Trasse in nördlicher Richtung immer am Deich entlang. Eine Brücke führt über die Eider. Bei der Planung des Eidersperrwerks war eigentlich eine Umtrassierung der Bahn über das Sperrwerk geplant. Da bei Baubeginn im Jahre 1967 der Bahnverkehr bereits eingestellt worden war, wurde dies nie realisiert. Die Sanierung der Brücke über die Eder war dann auch mit Abstand der teuerste Posten bei Wiederinbetriebnahme der Bahn. Nach Überquerung der Eider macht die Trasse eine scharfe Linksbiegung und führt nach Sankt Peter Ording, wo sie wieder mit der Normalspur zusammentrifft. In einem großen Bogen geht es an der Tumlauer Bucht vorbei Richtung Husum. Von hier aus geht es nordwestlich direkt nach Dagebüll. Der Material-/Bauhof der Halligbahnen wird gemeinsam mit der Salzwiesenbahn genutzt. Im weiteren Verlauf Richtung Norden immer dicht an der Nordsee entlang unterquert die Salzwiesenbahn die bekannte Sylter Autozugstrecke Westerland-Niebüll. Kurz danach war nach dem Krieg Schluß. Die Bahn durfte nicht nach Dänemark weiterfahren. Erst mit Gründung der Salzwiesenbahn GmbH wurde die Strecke auch auf dänischer Seite wieder geöffnet. Die Trasse verläuft ab hier noch einige Kilometer Richtung Norden an Højer und Gammelby vorbei, um schließlich in Skærbæk zu enden. Hier hat man wieder Anschluß an die Normalspur. Die Streckenlänge beträgt 163 Kilometer. Ursprünglich verlief die Bahn in Dänemark noch ca. 40 km weiter Richtung Osten, jedoch wurde der Gleiskörper kürzlich abgebaut.

Der Material-/Bauhof in Dagebüll, den sich die Salzwiesenbahn (links, 1000mm)
und die Halligbahn Oland/Langeneß (rechts, 900mm) teilen.

Skærbæk in Dänemark, heute Endpunkt der Salzwiesenbahn.

Die Kirche in Skærbæk.

Der Bahnhof. Hier kann man auf Normalspur umsteigen.

Das Gleis der Salzwiesenbahn (ganz rechts) ging früher noch fast 40 km weiter...

...woran heute noch der Haufen Kilometersteine erinnert.

Im Jahr 2008 lief die HU der kleinen Krauss Dampflok “Nummer Zwei” ab. Bei der Durchsicht wurden größere Schäden am Kessel festgestellt, die nicht mehr im normalen Rahmen einer Kesselrevision repariert werden konnten. Weitere Schäden an Rahmen und Zylindern führten zu der Entscheidung, die Lok nur noch optisch herzurichten und zukünftig als Denkmal vor der Bahnstation in Büsum aufzustellen. Für die mittlerweile sehr populär gewordenen Touristikfahrten mit Dampf musste nun eine neue Lok gefunden werden. Da keine Gebrauchtmaschine in Sicht war entschloß man sich eine Neubau-Dampflok in Auftrag zu geben. Beauftragt wurde das “Dampflokwerk Meiningen”, das zu diesem Zeitpunkt gerade eine Schmalspur Neubau-Dampflok für die Bäderbahn “Molli” baute. Um Geld zu sparen, wurden etliche Konstruktionsmerkmale der Molli Lok übernommen, z.B. das wegen des eingeschränkten Lichtraumprofils der Molli stark angeschrägte Führerhaus. Das Fahrwerk ist allerdings eine Eigenkonstruktion und erinnert an die verkleinerte Version der Normalspur Baureihe 80. Im Frühjahr 2009 wurde die Neubau-Dampflok mit der Nummer “99 403” feierlich der Salzwiesenbahn GmbH übergeben.

Dampflokwerk Meiningen
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