Halligbahn-Motorlore, Baubericht

Die sogenannten “Motorloren”, die eigentlich Draisinen sind, kommen auf den “Halligbahnen” zum Einsatz. Die teilweise etwas skurril anmutenden Schienenfahrzeuge gehören den Halligbewohnern. Meist handelt es sich um offene Plattformwagen, die mit einem luftgekühlten Zweitaktmotor (“Mopedmotor”) eine Achse über Riemen antreiben. Einige Motorloren haben den Luxus eines geschlossenen Aufbaus. Sie sind in der Regel auch mit gepolsterten Sitzen ausgestattet. Die Geschwindigkeit der Loren ist eher gering, der Lauf durch die fehlende Federung recht rauh.

Schon bei meinem ersten Besuch bei den Halligbahnen war ich von den wunderlichen Fahrzeugen fasziniert und der Nachbau einer Motorlore für die Salzwiesenbahn war schnell beschlossene Sache. Da die Loren sehr einfach aufgebaut sind, sollte ein Nachbau im Modell keine unüberwindliche Herausforderung sein.

Das 900mm-Gleis von Dagebüll aus Richtung Oland / Langeneß.

Eine einfache, offene Plattformlore.

Beispiele für geschlossene Kastenloren

Ich entschied mich für den Nachbau einer geschlossenen Kastenlore. Den Maßstab habe ich mit 1:22 angesetzt. Als Vorbilder dienen mir die Loren der Halligbahn Dagebüll - Oland - Langeneß. Sie kommen mit ihrer Spurweite von 900mm meiner Salzwiesenbahn am nächsten.

Wie immer beginnen die Planungen beim Antrieb. In diesem Falle braucht der Antrieb nicht besonders durchzugsstark zu sein, da diese Loren fast ausschließlich alleine unterwegs sind und höchstens mal eine Flachlore vor sich herschieben. In meinem Stamm-Hobbyladen fiel mir ein Antriebsset von Fischertechnik ins Auge:

Das Set beinhaltet einen kleinen Motor nebst angeflanschten Getriebe, allerlei Zahnräder, Kegelräder, Schnecken und Wellen, ein Differenzialgetriebe, Fahrtrichtungsumschalter, Batteriehalter, komplette Verkabelung mit Steckern und allerlei Kleinteile. Der Preis war mit 29 Euro leider recht hoch - dafür bekommt man z.B. von USA-Trains einen kompletten fahrbaren Motorblock. Allerdings hätte das meiner Bauvorgabe wenig entsprochen, wollte ich doch diesmal so viel wie möglich selber machen.

Die Radsätze hatte ich mir noch vor einiger Zeit besorgt. Derzeit gibt es ja von LGB nichts zu kaufen (Sommer 07). Eigentlich sind sie mit einem Durchmesser von 30mm zu groß, denn das entspricht einer realen Radgröße von 66 cm. Die Räder der Halligloren gehen aber eher in Richtung von ca. 40 cm. Zwar habe ich auf dem Lorenbahnhof Fahrzeuge mit unterschiedlich großen Radsätzen gesehen, aber der Trend ging eindeutig in Richtung klein. Da ich aber nunmal nur diese Radsätze da hatte, wollte ich sie auch benutzen. Besonders akribische Modellbauer werden jetzt verächtlich die Nase rümpfen, ich habe mit solchen Vereinfachungen allerdings keine Probleme.

Die Getriebeachse des Fischer Technik Antriebssets hat einen Durchmesser von 4mm. Da LGB-Radsätze auf einer 3mm Achse sitzen musste ich also die Radnaben vorsichtig aufbohren. Ausserdem wurden die Mittelteile aus Kunststoff gekürzt und die Radsätze anschließend auf die 4mm Achse aufgepresst. So entstand eine kompakte, einfache Antriebseinheit.

Der Rahmen entsteht aus Doppel-T-Träger Profilen von Evergreen. Diese sind mit 8mm Durchmesser einigermaßen maßstäblich. Sie bestehen aus PS und lassen sich mit handelsüblichen Modellbauklebstoff wunderbar zusammenfügen.

Die hinteren Radlager fertige ich aus Aluminiumplättchen. Das hat sich schon bei meinem Schienentraktor bestens bewährt. Gut eingefettet gleiten die Achsen wunderbar darin. Die Lager werden mit 2-K Kleber am Rahmen befestigt.

Die Querträger werden etwas ausgeschnitten, damit sie besser angeklebt werden können. Bei diesem Fahrzeug werde ich eine sogenannte Dreipunkt-Lagerung des Fahrwerks realisieren, dazu später mehr. Dafür muss ich in die Querträger ebenfalls Lagerplatten einbauen, die ich wegen der geringeren Belastung aus PS-Platten fertige.

Hier alle Bauteile des Rahmens und Fahrwerkt zur Übersicht angeordnet:

Und hier das Ganze im montierten Zustand. Am Fischertechnik Getriebe sind vorne und hinten die typischen Zapfen angebracht, mit denen Fischertechnik Bausteine untereinander montiert werden. Diese Zapfen greifen in die Löcher der Lagerplatten, die ich an die Querträger geklebt habe.

Dadurch erreiche ich, daß die angetriebene Achse sich quer bewegen kann, also frei pendelnd aufgehängt ist. Das nennt man eine Dreipunkt-Lagerung. Wozu dient das Ganze? Schmalspurbahnen, insbesondere Feldbahnen, werden meist auf nicht so sorgfältig vorbereitetem Untergrund wie Normalspurbahnen verlegt. Das sorgt dafür, daß Schmalspurgleise sehr viel mehr Unebenheiten aufweisen als man das normalerweise gewohnt ist. Das ist bei einer Gartenbahn meist nicht anders. Konventionelle, starre Fahrwerke neigen beim Überfahren solcher Unebenheiten deshalb zum kippeln, da sie ab und zu auf nur drei Rädern unterwegs sind. Das ist nicht weiter schlimm, sieht aber unschön aus. Ausserdem können schienenstromabhängige Fahrzeuge, die den Strom über die Räder aufnehmen, Probleme bekommen und sogar stehen bleiben. Bei einer Dreipunkt-Lagerung kann die pendelnd aufgehängte Achse die Unebenheiten ausgleichen und dadurch haben immer alle vier Räder Schienenkontakt. Da meine Lore mit Batterie laufen wird, wäre eine solche Lagerung nicht unbedingt nötig gewesen. Allerdings schrie die Konstruktionsweise ja geradezu danach.

Auf die Knotenpunkte auf der Rahmenunterseite habe ich Verstärkungen aus dünnem PS-Material geklebt. In dieser Konfiguration hat das Motorlorenfahrgestell dann seine erste Probefahrt gemacht und mit Bravour bestanden!

Die nachgebildeten Achslager entstanden aus kurzen Stückchen PVC-Rohr, die ich mit Modellbauspachtel verschlossen habe. Die Haltebügel habe ich aus Blumendraht gefertigt.

Nun entsteht aus mehreren Stücken 1mm PS-Material die Grundplatte des Aufbaus.

Darauf wird nun das Grundgerüst aus Kiefernleisten 5x5mm geklebt.

Das Grundgerüst wird dann mit PS-Platten 1mm beplankt.

Hier ist der Motorkasten bereits vollständig beplankt. Der Deckel besteht aus etwas dickerem PS-Material, das zudem eine aufgerauhte Oberfläche aufweist. Das soll Dachpappe o.Ä. darstellen.

Die Fenster fräse ich mit meinem kleinen Proxxon-Frästisch aus.

Hier die ausgefräste Frontscheibe.

Hier ist der Aufbau bereits fertig beplankt und verspachtelt.

Jetzt muss noch gründlich geschliffen werden.

Hier habe ich noch zwei mechanische Bremsen hinzugefügt, eine auf jeder Seite.

Vor die Räder kommt jeweils noch ein Schienenräumerbalken.

Hier sind alle Spachtelstellen sauber verschliffen.

Mit schmalen, dünnen PS-Streifen simuliere ich das Aussengerüst der Lore, das beim Original meist aus Metallprofilen besteht.

Messingnägel mit rundem Kopf stellen die Schraubbolzen dar.

Nun kommt die Lackierung. Mit einem dicken Pinsel habe ich eine extra grobe Lackierung aufgetragen. Damit möchte ich erreichen, daß der Farbauftrag etwas “hemdsärmelig” ausschaut. Bei dem rauhen Klima direkt an der Nordsee werden die Loren sicher alle zwei Jahre grob übergepinselt. So sahen sie jedenfalls aus.

Vorne und hinten werden jetzt kräftige Pufferbohlen aus Holzleisten montiert.

Als Puffer dienen alte Autoreifen.

Nun wird der Rest der Antriebstechnik montiert: Batteriekasten, Kabel und...

...der mechanische Fahrtrichtungsumschalter, der durch die Hecktüren erreichbar bleiben wird.

Hier ein Überblick über den aktuellen Bauzustand:.

Die Scheiben wurden aus Folie ausgeschnitten, die eigentlich für Window-Color Bilder gedacht ist. Der Scheibenwischer besteht aus einem Stück PS-Platte und Blumendraht. Witzigerweise ist er beweglich geblieben und funktioniert jetzt quasi wirklich, was keine Absicht war...

Die Einstiegstüren auf der Rückseite sollen als Schiebetüren funktionieren. Das habe ich bei einer Vorbildlore gesehen und fand die Auslegung nett. Dafür muss ich zwei Leisten ausfräsen, in denen die Schiebetüren dann “gleiten”.

Die Leisten werden dann jeweils oben und unten am Heck angeklebt.

Hier fertig lackiert:

Die Türen werden aus einer etwas dickeren PS-Platte gebrochen und dann in der Mitte geteilt.

Natürlich müssen Fenster ausgefräst werden. Zwei schmale Holzleisten dienen als Griffe zum öffnen und schließen.

Das Dach wurde nun auch aus PS-Platte gefertigt. Zwei Holzleisten sorgen für einen sicheren Sitz. Das Dach liegt nur auf, damit es zum Batteriewechsel abnehmbar bleibt.

So schaut das Dach dann auf der Lore aus. Die dunkleren Flecken auf der Lore sollen übrigens überpinselte Roststellen darstellen.

Die Türen werden auf der Rückseite mit klarer Kunstoffolie verglast und anschließend grau lackiert.

Nachdem die Türen auch auf der Aussenseite lackiert wurden, können sie montiert werden.

Die Türen lassen sich wie vorgesehen aufschieben, um an den Fahrtrichtungsschalter zu kommen.

Das Dach wurde mit Schmirgelpapier bezogen um Dachpappe zu imitieren. Die Trennfugen wurden mit seidenmatt-schwarz aufgetragen.

 Auf die Stirnseiten kommt jeweils ein Scheinwerfer und ein Rücklicht aus der Grabbelkiste zum Einsatz.

 So, damit ist die Lore fertig!

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