Mercedes 230 G Draisine

Als langjähriger Modellbauer habe ich natürlich besonderen Spaß daran, mir nicht-alltägliche Fahrzeuge für meine Gartenbahn auszudenken, die man nicht in jedem Laden kaufen kann. Interessante Ausstattungsdetails einer Modellbahn sind immer Gleisbau- und Wartungsfahrzeuge. Eine Idee die ich ganz am Anfang meiner Gartenbahnidee hatte, war der Bau einer Motordraisine auf Basis eines normalen PKW. Diese Fahrzeuge hat es tatsächlich gegeben und gerade auf Privatbahnen waren und sind diese eine beliebte Bastelei. Zwar gibt es auch speziell für diesen Zweck entworfene Motordraisinen, aber Umbauten aus PKW haben wegen ihres skurrilen Aussehens natürlich ihren besonderen Reiz. Eigentlich hatte ich vor eine ganz "normale" Autodraisine aus einem Oldtimer zu bauen - ein einfaches Spaßgefährt aus früheren Tagen das sozusagen als touristische Sonderattraktion auf der Salzwiesenbahn fährt. Leider scheiterte diese Aktion an der Tatsache, daß es derzeit keine passenden Oltimermodelle im Maßstab 1:24 gibt. Und nur dieser Maßstab kommt für LGB in Frage. Angesichts der überwältigenden Fülle an Automodellen 1:24/25 erscheint dies schier unglaublich, entspricht aber der Tatsache. Bei eBay ein passenden Modell ersteigern wollte ich auch nicht, also musste ich mir etwas Anderes ausdenken. Beim Herumstöbern entdeckte ich das nachfolgende Feuerwehrauto zum Schleuderpreis von nur 10,- Euro. Daraus könnte man sicherlich ein modernes Streckenkontroll- bzw. Streckenwartungsfahrzeug machen. Daß eine Privatbahn ein so teures Fahrzeug für einen solchen Umbau nutzt ist zwar eher unwahrscheinlich, aber vielleicht hat die Salzwiesenbahn GmbH das ex-Feuerwehrfahrzeug ja günstig übernehmen können... Da dies eh eine fiktive Geschichte ist, sei erlaubt was Spaß macht!

Basis des Umbaus ist ein Feuerwehr-Mercedes 230 G von Revell im Maßstab 1:24.

Das einzige Problem beim Umbau des Mercedes auf ein Schienenfahrwerk war die Spurbreite. Bei Normalspur wäre das alles kein Problem gewesen, aber für die Meterspur mussten alle Radhäuser aufgefräst werden. Ich habe so viel wie möglich vom Originalfahrwerk verwendet. Die Bausatz-Achsen habe ich durch passend abgelängte Messingröhrchen ersetzt. Die Achsantriebe an den Differenzialen wurden abgefräst und an die Messingröhrchen geklebt. So konnte ich die Kardanwellen aus dem Baukasten benutzen. Der Tank passte hinten nicht mehr zwischen die Räder und fand seinen Platz ganz unten unter dem Rahmen. Das Fahrzeug muss ja schließlich nicht mehr gelädegängig sein...

Umgebauter Rahmen im Rohzustand.

Die Radsätze stammen von LGB. Ich hatte mich für Speichenradsätze aus Kunststoff entschieden. Diese sind günstig zu haben und sehen an einem Oldtimer klassisch aus. Für den modernen Mercedes wollte ich die Speichen eigentlich verkleiden, um normale Scheibenräder daraus zu machen. Bei der Probepassung sah das Ganze allerdings so hübsch-skurril aus, daß ich es so gelassen habe.

Die LGB-Radsätze werden zerlegt und leicht überarbeitet.

Die Metallachsen der LGB-Radsätze laufen frei in den Messingröhrchen. Eine ordentliche Portion Fett verhindert größeren Verschleiß. Da das Modell aber antriebslos ist wird es eh nicht viel bewegt werden.

Fertiges Fahrgestell mit Speichenrädern.

Probehalber aufgesetzte Karosserie.

Die weit ausgeschnittenen Radkästen werden mit Pappe neu verkleidet.

Ein Werkzeugkasten und allerlei Gerätschaften liegen im Kofferraum.

Die Karosserie bekommt die für Bahnbaufahrzeuge typisch gelbe Lackierung.

Die montierten Warnleuchten. Der Scheinwerfer in der Mitte ist nötig für das "Dreilicht Spitzensignal".

Das fertige Modell. Ich habe nur ganz dezente Alterungs- / Verschmutzungsspuren aufgetragen. Ich denke mal, daß ein solches Fahrzeug gut gepflegt werden würde, da es ja auch nicht ganz billig ist. Das Modell rollt hervorragend. Wie gesagt hat es keinen eigenen Antrieb, lässt sich aber ganz einfach mit einer Lok über die Anlage schieben. Bei den ganz engen Radien sollte man etwas langsamer fahren, aber das entspricht ja durchaus dem Vorbild. Das kleine Modell macht echt Spaß und ich finde, daß es durchaus glaubwürdig ausschaut. Wenn ich Mitglied des Wartungstrupps der Salzwiesenbahn wäre, würde ich mich über so eine Draisine als Dienstfahrzeug freuen...!

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