Petersbergbahn

Wisst ihr was ein “Lost Place” ist...?! Nein? Ein Lost Place ist wörtlich übersetzt ein “verlorener Ort”. Damit bezeichnet man von Menschenhand erschaffene Orte wie z.B. ehemalige Gebäude, Bunkeranlagen, Flugplätze, Straßen, etc... Das besondere dabei ist, daß diese Orte irgendwann aufgegeben wurden und sich heute kaum noch jemand daran erinnert, sie also in Vergessenheit geraten sind (“lost”). Diese vergessenen Orte heutzutage aufzuspüren und eventuelle Relikte zu suchen ist ungeheuer spannend und lehrreich. Besonders Eisenbahn “Lost Places” sind interessant, da der Bau von Bahnanlagen normalerweise mit größeren Erdbewegungen verbunden ist und man diese deshalb auch heutzutage noch recht gut erkennen kann.

So verhält es sich auch mit der Petersbergbahn, an die sich heute kaum noch jemand erinnert. Zeitlebens stand sie sowieso immer im Schatten ihrer berühmten Schwester, der Drachenfelsbahn. Beide Bahnen benutzten das gleiche Gleissystem (1000 mm, Zahnstange “Riggenbach”), beide beginnen in Königswinter, jedoch waren sie nie miteinander verbunden. Zu ihren Glanzzeiten gehörten sie beide zur Bergbahnen im Siebengebirge AG. Die Petersbergbahn wurde im Jahre 1888 eröffnet, also fünf Jahre nach ihrer “Zwillingsschwester”, der Drachenfelsbahn. Grund für den Bau war das auf dem Gipfel des Petersbergs liegende Hotel, das durch die Bahn einfacher zu erreichen und dadurch attraktiver für die Touristen werden sollte. Bis 1912 lag die Talstation am Gasthof Zum kühlen Grunde am Ortsrand von Königswinter direkt am Fuße des Petersbergs. Danach ließ der neue Eigentümer des Hotels auf dem Petersberg die Strecke bis zum Normalspur Bahnhof weiterbauen, um den Hotelgästen den Marsch vom Bahnhof zur Talstation zu ersparen. Ein mehrständiger Lokschuppen mit Wartungsgrube wurde hier errichtet. Nach dem schweren Unglück auf der Drachenfelsbahn im Jahre 1958 wurde der Dampfbetrieb auf der Petersbergbahn eingestellt. Elektrifiziert wurde die Strecke nie. In den 70ern wurden die Gleise komplett abgetragen und die Bahn geriet in Vergessenheit.

Was ist also heute noch von der Bahn zu sehen. Zuerst bleibt festzuhalten, daß die Trasse in Google Earth noch ganz gut zu erkennen ist. Der Lokschuppen in Königswinter am Bahnhof steht auch noch. Eine Begehung der Trasse ist zumindest im unteren Teil relativ problemlos möglich, den oberen Teil werde ich mir mal im Winter ansehen, wenn der Bewuchs nicht so dicht ist.

Wer sich übrigens wundert was das Ganze hier soll: immerhin war auch die Petersbergbahn eine Schmalspurbahn mit 1000 mm Spurweite, also nicht allzuweit am Thema vorbei!

Der Bahnhof von Königswinter.Unmittelbar dahinter begann die Petersbergbahn.

Der ehemalige Lokschuppen.

Blick ins Innere..

Noch sehr gut zu erkennen sind Wartungsgrube, Gleise und Zahnstange.

Blick auf das Ziel der Petersbergbahn vom Lokschuppen aus.

Stummer Zeuge des ehemaligen Betriebs.

Von hier führte die Trasse an den Lemmerz Werken entlang Richtung Berg.

Der ehemalige Gasthof “Zum kühlen Grunde”. Die Strecke führte unmittelbar nebem dem Haus her - etwa dort wo das Auto steht.

Hier geht es hinauf Richtung Berg.

Und mitten hinein in den Wald. Natürlich ist die Trasse stark zugewachsen, aber immer noch als solche zu erkennen.

Bei genauerem Hinsehen fällt der Geländeeinschnitt auf.

Auf der Trasse ist noch eine Menge Gleisschotter zu finden.

Nach einem krzen Steilstück kommt man zu einem flacheren Teil mitten im Wald. Hier befanden sich ein paar Ausweichgleise und der sogenannte Wartungsplatz. Hier wurden die Dampfloks gewartet und entschlackt, sowie Reparaturen ausgeführt. Hinter dem Wartungsplatz geht es steil hinauf. Die Steigung beträgt bis zu 28%.

Schilder mitten im Wald sind vergessene Zeugen der ehemaligen Trasse.

Gebäudereste am ehemaligen Wartungsplatz

Auf dem Gipfel des Petersbergs erinnert diese Tafel an die ehemalige Endstation der Petersbergbahn.
(Foto unter free-licence aus
www.wikipedia.de)

Nicht relevant, aber geschichtlich interessant: im Metallzaun um den Lokschuppen sind noch Einschußlöcher von Tieffliegerangriffen aus dem zweiten Weltkrieg zu erkennen.

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