Unsere Tonlore

Im Winter 2006 / 2007 erzählte ich meinem Schwager Ingo vom ehemaligen, umfangreichen 600mm Feldbahnnetz, das es einmal in Witterschlick gab. Ingo wohnt in diesem Ort und ist ausserdem recht heimatverbunden. So versuchten wir Stück für Stück mehr über die ehemaligen Feldbahnen herauszufinden. An Christi Himmelfahrt 2007 unternahmen wir gewissermaßen eine “Vatertagstour der besonderen Art” und schauten mal, was man von den alten Bahnen noch so finden kann. Eine ganze Menge sogar, u.A. komplette Tonloren!

Irgendwann reifte bei Ingo die Idee eine solche Lore zu “retten” und als Denkmal vor seinem Haus im Wendehammer der Straße aufzustellen. Ich war sofort Feuer und Flamme, eine wirklich gute Sache! Zuerst versuchten wir eine der Schrottloren zu bekommen, die wir auf unserer Exkursion gefunden hatten. Leider waren diese in einem sehr schlechten Zustand und es fühlte sich zudem niemand dafür zuständig. Ingo, der in Witterschlick fast Jeden kennt, fing an Informationen einzuziehen und nahm schließlich Kontakt mit einem der führenden Tonabbauunternehmer Witterschlicks auf. Ein paar höfliche Anfragen und Besuche später war es klar: wir konnten Loren für einen Freundschaftspreis bekommen. Eigentlich wollte ich mir auch eine Lore vor´s Haus stellen, aber da ich zur Miete wohne und nicht weiss, wo es mich noch so hinverschlägt, verzichtete ich schließlich darauf. In Ingos ‘Fall jedoch schlugen wir zu. Im April 2008 war es dann soweit. Wir bekamen die Lore vom Chef per Radlader direkt vor die Tür gebracht, und da stand sie nun erst einmal. Es handelt sich um eine genietete Kipplore aus Stahl, die beim Untertageabbau benutzt wurde. Sie ist in einem guten gebrauchten Zustand und voll Funktionsfähig.

Im Wendehammer stand die Lore dann erst einmal zwei Monate herum. Im Juni holten wir dann das Stück Gleisjoch ab, das uns der ehemalige Besitzer der Lore dazugeben wollte. Zu dieser Gelegenheit durften wir uns auch auf dem ehemaligen Tonabbaugelände umschauen und die noch vorhandenen Feldbahnfahrzeuge bewundern. Eine wirklich seltene Gelegenheit für jeden Feldbahnfreund! Ingo hatte mittlerweile eine offizielle Genehmigung der Stadt Alfter bekommen, um die Lore im Wendehammer aufzustellen. Ich hätte niemals gedacht, daß das mit der Genehmigung so unkompliziert klappen würde. Ganz im Gegenteil: Ingo bekam sogar Lob für sein Engagement.

Juni 2008: wir holen das Gleisjoch ab, auf dem die Lore aufgestellt werden soll.

Mitte Juli 2008 war es dann soweit: die Lore wurde an ihrem endgültigen Platz aufgestellt. Die Lore hatte sich mittlerweile so fest in den Boden eingedrückt, daß ich sie mit meinem Auto herausziehen musste. Zuerst mussten wir die Stelle, an der die Lore stehen sollte, roden und sorfältig nivillieren. Ein Stückchen Land in Größe des Gleisjochs wurde dafür abgesteckt und die Erdarbeiten per Hand vorgenommen. Damit das Ganze optisch schöner aussieht und um das Rasenmähen zu vereinfachen, bauten wir um das Gleisjoch eine Einfassung aus Pflastersteinen, die in Split gesetzt wurden. Unter dem Joch breiteten wir eine Plane aus, um das Durchwachsen von Unkraut zu verhindern. Das Joch selber wurde dann eingeschottert. Das ist bei Feldbahnen zwar nicht üblich, sieht aber nach einhelliger Meinung aller Beteiligten hübsch aus. Ganz so, wie der Laie sich eine Bahn vorstellt. Das Hinaufziehen der schweren Lore auf das Gleisjoch war noch einmal eine Herausforderung, wobei zuerst das Auto und dann ein paar freiwillige Helfer zum Zuge kamen. Schließlich stand die Lore an ihrem Platz und wurde mittels einer schweren Kette befestigt.

So, dort steht sie nun, als kleines Denkmal der Geschichte des Tonabbaus in Witterschlick. Wir sind uns noch nicht ganz einig, ob wir die Lore zwecks Rostschutz mit Speziellack neu anstreichen sollen oder versuchen die wunderbare Patina ihres langen Arbeitslebens zu erhalten. Auch ein Schild mit einer kurzen Erläuterung, eventuell ein Dach oder eine Beleuchtung sind auch noch Themen die uns derzeit im Kopf herumschwirren...

Übrigens hat die Aktion, die sehr gut aufgenommen wird, schon “Nachahmer” gefunden: der Heimatverein hat sich für das im Aufbau befindliche Heimatmuseum ebenfalls eine Lore besorgt.

ZURÜCK